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Porzellanfabrik Kalk in Eisenberg/Thüringen • Porzellanscherbenformen ab 1900 bis Mai 1945 (Teil 1) • Formen, Dekore, Porzellanmarken

Produktvielfalt als Marktstrategie (Teil 1)

Mit dem Umzug von Kalk (bei Köln) nach Eisenberg (Sachsen-Altenburg, heute Thüringen) im Jahre 1900 wurden die meisten Formen und Dekormethoden wie beispielsweise der Indischblau-Dekor zum Startkapital für die 72 Jahre lange Erfolgs­geschichte im thüringenschen Eisenberg. Die Geschirrform »Feston« war neben der Form »konisch« die erfolgreichste Produktlinie, wenn auch die einzelnen Formen in Details aus Rationalisierungsgründen und Anpassungen des Kundengeschmackes immer wieder verändert werden mussten.

Die Einführung der Indischblau-Dekoration geschah nach der Übernahme der Steingut-/Porzellanfabrik Geyer & Koerbitz durch die Porzellanfabrik Kalk aus Kalk bei Köln, wo seit ca. 1867, wenn auch mit einigen mehrjährigen Unterbrechungen und Fabrikinhaberwechsel, Geschirr für den deutsch­sprachigen Raum sowie den skandinavischen und niederländischen Markt hergestellt wurde. Da auch die Porzellanmarke per Hand­malerei aufgebracht wurde und mit dem Umzug von Köln nach Eisenberg mehrere der Blaumaler(innen) zu Bürger(innen) von Eisenberg wurden, ist eine Zuordnung zu Köln oder Eisenberg, aber auch anderen Porzellanmanufakturen mit zeitweiliger Pfeilmarke, nicht sicher möglich.

Während der Indischblau-Dekor über alle Jahre hinweg produziert wurde, wechselten andere Dekormotive deutlich rascher, oft noch innerhalb einer Kunstepoche. Da über viele Jahre wiederkehrend Rohstoffmangel und Arbeits­kräftemangel die Produktion beeinflussten, wurden gefertigte Porzellanscherben zur Kundenwunschbefriedigung auch mit weniger passenden bzw. auf einander abgestimmten Dekor verziert; hierdurch entstand ein weniger einheitliches Erscheinungsbild der Fertigerzeugnisse. Hinzu kam schließlich noch die Stilllegung der Rauensteinschen Porzellanfabrik durch Kahla zum Ende der 1920er Jahre, welche berühmt war für ihre unterglasurblau dekorierten Porzellane, wodurch beispielsweise die Zugangswege zum niederländischen Markt für Produktion und Absatz von Geschirr mit Delfter Dekor (Form 138) frei wurden.

Durch die Machtübernahme von 1933 und der beginnenden Rüstung zum nächsten großen Krieg sahen sich die Geschäftsführer der Porzellanfabrik Kalk weniger als Erfüllungsgehilfen des Staates denn als Bedarfsdecker am Konsummarkt. Diese strategische Entscheidung führte zur Einbuße von Arbeitskräften, aber auch Rohstoffen, so dass die seit 1900 gewonnenen Fertigkeiten, feinstes Porzellan zu erzeugen, mit Kriegsbeginn weitgehend aufgegeben werden mussten, um mit einfachen Gebrauchsgeschirren am Markt bestehen zu können.
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