Porzellanfabrik Kalk in Eisenberg/Thüringen • Unterglasurdekor • »Strohhalmmuster«

Strohhalmmuster als Dekormotiv

Der ursprünglich erstmals in der Königlichen Porzellanmanufaktur Meissen um 1736 auf deutschem Porzellan gemalte Dekor, bestellt von August dem Starken als »Indianische Stücke«, vergleichbar japanischen und chinesischen Porzellanen, erfuhr in den folgenden 200 Jahren eine große Bandbreite an Varianten in der Linienführung und der einzelnen Dekorelemente (Staffage).
Die existierende Namenvielfalt ist begründet einerseits in regionalen Bezeichnungen, aber auch in wahrnehmbaren stilistischen Varianten beim ausgeführten Dekor selbst. Die Bezeichnungen »Strohmodell«, »Strohblume«, »Strohblumenmuster«, »Indisch­blau«, »Petersilienmuster«, »Friesisch Blau«, »Bürgerliches Zwiebelmuster«, »Dänisch Blau«, »Kopenhagener Blau«, »Dremser Blau«, »Blauw Saks«, um nur einige davon aufzuzählen, benennn einen Dekorationsstil, dessen Hauptinhalt eine „zentrale Blüte“ mit bogenförmig herumgeneigten Kornähren darstellt. Dabei ist der Gestaltung grundsätzlich keine Grenze gesetzt, jedoch wurde auf die Lernbarkeit, Einfachheit und Wiederholbarkeit der Dekorbemaltung wert gelegt, um die Herstellungskosten (insb. Personalkosten) der Dekoration in Grenzen zu halten. Daher gibt es eine Vielzahl von Varianten, teils firmentypisch.

Die Namensgebung in Eisenberg

Da in Eisenberg dieser Dekorationsstil erst im Jahre 1900 durch die Porzellanfabrik Kalk infolge der Werksschließung der Zweigstelle in Kalk/Köln eingeführt wurde und nicht wie manchmal lesbar als Nachahmung der Porzellanmanufaktur Rauenstein oder gar der Porzellanmanufaktur Meißen, war diese Dekorart in den ersten Jahren unter dem Begriff „Strohhalmmuster“, ab ca. 1910 paralel mit Indischblau, später, ab etwa 1920, durchgängig unter dem Begriff »Indischblau« bekannt geworden.
Firmenunterlagen über die werksinternen Bezeichnungen, aber auch für den Handel fehlen. Die Einträge in den Adressbüchern der Keramindustrie von 1883 bis 1971 finden sich für die Porzellanfabrik Kalk für unter Glasur dekorierte Geschirre verschiedene Angaben, wodurch eine Konkretisierung des Begriffs »Strohblume« nur spekulativ möglich ist:
• Strohmodell entspricht möglicherweise anfangs allen Varianten, ab ca. 1900 explizit das Strohblumenmuster.
• Strohhalmmuster entspricht der einfachsten Dekorausführung, insbesondere ab 1900 explizit für den Exportmarkt als Indischblau bezeichnet.
• Kopenhagener Genre entspricht explizit der stiltypischen Ausführung des Dekors für den skandinavischen Exportmarkt.
An dieser Stelle will erinnert sein, dass bis zur Gründung der Weimarer Republik 1918/19 eine deutsche Kleinstaaterei vorherrschte, deren Marktgeschehen lediglich von Zollvereinbarungen profitierte, es sich faktisch also um Exportländer handelte.

Dekorationsbeispiele

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