Hintergrund • Literatur • Fuchs, Herbert (1937) — Der Arbeitseinsatz in der feinkeramischen Industrie des Arbeitsbezirkes Jena einschließlich der Entfaltungsgeschichte. — Auszug
Auszug:
D. Der Mensch und Arbeit in der Feinkeramischen Industrie des Arbeitsamtsbezirkes Jena.
2. Die örtlichen Teilarbeitsmärkte
Seite: 59 - 65
a) Der Eisenberger Teilarbeitsmarkt
Vor dem Weltkrieg (1912) waren in Eisenberg in fünf feinkeramischen Betrieben insgesamt 600 Arbeiter erwerbstätig. Heute sind in nur noch vier Betrieben1 400 Arbeiter beschäftigt2.
Die Umwälzungen der Nachkriegszeit haben auch auf diesem örtlichen Teilarbeitsmarkt ein völlig verändertes Bild geschaffen. Die größtenteils auf Ausfuhr (Orientartikel) eingestellten Firmen mußten Betriebseinschränkungen vornehmen, die neben Betriebsstillegung3 zu Verringerung der Belegschaften bis auf ein Drittel des Vorkriegsstandes führten. Die allgemein eingeführte Kurzarbeit überschritt kaum 36 Wochenstunden.
Eine wesentliche Besserung der Beschäftigungslage trat erst zu Anfang des Jahres 1934 ein. Bis zum Oktober dieses Jahres konnten die Belegschaften von insgesamt 382 Mitgliedern auf 400 erhöht werden, wobei die Ausnützung der in Frage kommenden Produktionsstätten im Durchschnitt etwa 60 - 70 v. H.4 beträgt.
Bei den zur Zeit Beschäftigten überwiegt der Anteil der einheimischen Arbeitskräfte. Nur 10 v. H. kommen aus den umliegenden Ortschaften dieses ländlichen Bezirkes. Die ständige Pendelbewegung ist hier eine reine Land-Stadt-Bewegung. Die Anteile der Einheimischen und Auswärtigen waren dabei folgende:
Für die Arbeitsmarktweite des Eisenberger Teilarbeitsmarktes sind die Bahnen Gera - Zeitz und Crossen - Eisenberg - Bürgel - Jena ohne jeden Einfluß. Der Arbeitsmarktraum entspricht hier seiner Ausdehnung nach einer Kreisfläche von 14 km im Durchmesser (Mittelpunkt Eisenberg; s. Kartenskizze).
Unterteilt man die im Oktober 1934 Beschäftigten nach dem Geschlecht, dann ergibt sich:
Durch Vergleich der heutigen Beschäftigtenzahl mit der früherer Jahre findet man, daß das Verhältnis von männlichen zu weiblichen Arbeitskräften in nur geringen Grenzen schwankt:
Die Ursache für diese unwesentlichen Abweichungen muß in der Eigenart der feinkeramischen Fertigung gesehen werden, bei der es in verschiedenen Fabrikationsabteilungen entweder nur ausgesprochene Männerarbeit (Tonmühle, Massemühle, Schmelze, Prüffeld) oder nur typische Frauenarbeit (Malerei, Druckerei, Glasiererei, Sortiererei) gibt. In den übrigen Produktionsabteilungen, wie sich ein ziemlich gleichbleibendes Verhältnis zwischen Männer- und Frauenarbeit ausgebildet. Seine Höhe ist in den Einzelbetrieben im wesentlichen durch die Art der herzustellenden Gegenstände bestimmt.
Teilarbeitsmarktraum Eisenberg
Das in den letzten Jahren eingetretene außerordentliche Absinken des Verkaufserlöses, besonders für die Erzeugnisse der Geschirr- und Luxusporzellanfabriken, zwang diese Werke, um die Gestehungskosten in jedem überhaupt möglichen Umfange senken zu können, zur billigeren Frauenarbeit überzugehen.
Die Altersgliederung der Beschäftigten wird durch ein Kurvenbild veranschaulicht. Nach ihm ist die 30jähre Arbeiterin und der 35jährige Arbeiter am stärksten vertreten.
Die Anzahl der unter 25 Jahre alten Beschäftigten im Sinne des Gesetzes für Arbeitsplatzaustausch5 wurde zu 19 v. H. (6 v. H. männliche und 13 v. H. weibliche) der Gesamtbeschäftigten ermittelt. Bei den weiblichen jugendlichen Arbeitskräften handelt es sich fast ausschließlich um Lernende, deren Lehrgang im Interesse der Betriebe nicht unterbrechbar ist, oder um besonders angelernte Arbeiterinnen und um Facharbeiterinnen mit bestimmten Handfertigkeiten.
Für die letzten drei Jahre gelten folgende Zahlen:
Den 391 Beschäftigten standen nach dem Stand vom 1. Oktober 1934 noch 35 Arbeitssuchende (25 männliche und 10 weibliche) gegenüber. Beruflich waren davon nicht mehr tätig seit:
Die fehlenden Zahlen konnten nicht ermittelt werden.
Die Umwälzungen der Nachkriegszeit haben auch auf diesem örtlichen Teilarbeitsmarkt ein völlig verändertes Bild geschaffen. Die größtenteils auf Ausfuhr (Orientartikel) eingestellten Firmen mußten Betriebseinschränkungen vornehmen, die neben Betriebsstillegung3 zu Verringerung der Belegschaften bis auf ein Drittel des Vorkriegsstandes führten. Die allgemein eingeführte Kurzarbeit überschritt kaum 36 Wochenstunden.
Eine wesentliche Besserung der Beschäftigungslage trat erst zu Anfang des Jahres 1934 ein. Bis zum Oktober dieses Jahres konnten die Belegschaften von insgesamt 382 Mitgliedern auf 400 erhöht werden, wobei die Ausnützung der in Frage kommenden Produktionsstätten im Durchschnitt etwa 60 - 70 v. H.4 beträgt.
Bei den zur Zeit Beschäftigten überwiegt der Anteil der einheimischen Arbeitskräfte. Nur 10 v. H. kommen aus den umliegenden Ortschaften dieses ländlichen Bezirkes. Die ständige Pendelbewegung ist hier eine reine Land-Stadt-Bewegung. Die Anteile der Einheimischen und Auswärtigen waren dabei folgende:
| männl. | weibl. | Sa. | % | Zeit: | |
| Eisenberger . . . . . . . . | 101 | 192 | 293 | 89 | im Frühjahr 1934 |
| 142 | 208 | 350 | 89,5 | im Herbst 1934 | |
| Auswärtige . . . . . . . . | 16 | 19 | 35 | 11 | im Frühjahr 1934 |
| 16 | 25 | 41 | 10,5 | im Herbst 1934 | |
| Insgesamt . . . . . . . . . | 117 | 211 | 328 | 100 | im Frühjahr 1934 |
| 101 | 192 | 293 | 100 | im Herbst 1934 |
Für die Arbeitsmarktweite des Eisenberger Teilarbeitsmarktes sind die Bahnen Gera - Zeitz und Crossen - Eisenberg - Bürgel - Jena ohne jeden Einfluß. Der Arbeitsmarktraum entspricht hier seiner Ausdehnung nach einer Kreisfläche von 14 km im Durchmesser (Mittelpunkt Eisenberg; s. Kartenskizze).
Unterteilt man die im Oktober 1934 Beschäftigten nach dem Geschlecht, dann ergibt sich:
| Arbeiter: | ||||||||
| Ledige | Verheiratete | Verwitwete | Ausländer | Summe | Anteil in % | |||
| 26 | (1) | 127 | (136) | 3 | 2 | 158 | 40 | |
Arbeiterinnen: |
||||||||
| 86 | (18) | 136 | (52) | 11 | (2) | —— | 233 | 60 |
Gesamt: |
||||||||
| 112 | (19) | 263 | (188) | 14 | (2) | 2 | 391 | 100 |
Durch Vergleich der heutigen Beschäftigtenzahl mit der früherer Jahre findet man, daß das Verhältnis von männlichen zu weiblichen Arbeitskräften in nur geringen Grenzen schwankt:
| Arbeitskräfte | 1913/14
Anzahl % |
Frühjar 1934
Anzahl % |
Herbst 1934
Anzahl % |
August 1935
Anzahl % |
August 1936
Anzahl % |
|||||
| Arbeiter . . . . . . . . . . | 204 | 35 | 117 | 36 | 158 | 40 | 178 | 42,3 | 182 | 41,7 |
| Arbeiterinnen . . . . . . . | 234 | 42 | 211 | 64 | 233 | 60 | 243 | 57,7 | 254 | 58,3 |
| Heimarbeiterinn. . . . . . . | 130 | 23 | —— | —— | —— | —— | —— | —— | —— | —— |
| Gesamt: . . . . . . . . . . | 447 | 100 | 328 | 100 | 391 | 100 | 421 | 100 | 436 | 100 |
Die Ursache für diese unwesentlichen Abweichungen muß in der Eigenart der feinkeramischen Fertigung gesehen werden, bei der es in verschiedenen Fabrikationsabteilungen entweder nur ausgesprochene Männerarbeit (Tonmühle, Massemühle, Schmelze, Prüffeld) oder nur typische Frauenarbeit (Malerei, Druckerei, Glasiererei, Sortiererei) gibt. In den übrigen Produktionsabteilungen, wie sich ein ziemlich gleichbleibendes Verhältnis zwischen Männer- und Frauenarbeit ausgebildet. Seine Höhe ist in den Einzelbetrieben im wesentlichen durch die Art der herzustellenden Gegenstände bestimmt.
| Altersgliederung
|
|||
| der in den vier feinkeramischen
Betrieben Eisenbergs Beschäftigten |
der in der feinkeramischen Industrie
in Eisenberg Arbeitssuchenden |
||
(Stand vom 1. Oktober 1934)
|
|||
Das in den letzten Jahren eingetretene außerordentliche Absinken des Verkaufserlöses, besonders für die Erzeugnisse der Geschirr- und Luxusporzellanfabriken, zwang diese Werke, um die Gestehungskosten in jedem überhaupt möglichen Umfange senken zu können, zur billigeren Frauenarbeit überzugehen.
Die Altersgliederung der Beschäftigten wird durch ein Kurvenbild veranschaulicht. Nach ihm ist die 30jähre Arbeiterin und der 35jährige Arbeiter am stärksten vertreten.
Die Anzahl der unter 25 Jahre alten Beschäftigten im Sinne des Gesetzes für Arbeitsplatzaustausch5 wurde zu 19 v. H. (6 v. H. männliche und 13 v. H. weibliche) der Gesamtbeschäftigten ermittelt. Bei den weiblichen jugendlichen Arbeitskräften handelt es sich fast ausschließlich um Lernende, deren Lehrgang im Interesse der Betriebe nicht unterbrechbar ist, oder um besonders angelernte Arbeiterinnen und um Facharbeiterinnen mit bestimmten Handfertigkeiten.
Für die letzten drei Jahre gelten folgende Zahlen:
| Jahr | Gesamt-
belegschaft |
davon
Jugendliche |
in
% |
männl. | in
% |
weibl. | in
% |
| 1934 | 391 | 74 | 19 | 23 | 6 | 51 | 13 |
| 1935 | 421 | 80 | 19 | 26 | 6,2 | 54 | 12,8 |
| 1936 | 436 | 91 | 21 | 28 | 6,5 | 63 | 14,8 |
Den 391 Beschäftigten standen nach dem Stand vom 1. Oktober 1934 noch 35 Arbeitssuchende (25 männliche und 10 weibliche) gegenüber. Beruflich waren davon nicht mehr tätig seit:
| Jahr . . . . . . . . . . . . . . | 1926 | 27 | 28 | 29 | 30 | 31 | 32 | 33 | 34 | Sa. |
| männlich . . . . . . . . . . . . | 2 | 1 | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 3 | 4 | 25 |
| weiblich . . . . . . . . . . . . | —— | 1 | —— | 1 | 1 | —— | 3 | 2 | 2 | 10 |
| Gesamt: . . . . . . . . . . . . | 2 | 2 | 1 | 3 | 4 | 4 | 8 | 5 | 6 | 35 |
Die fehlenden Zahlen konnten nicht ermittelt werden.
72 v. H. der männlichen Arbeitssuchenden haben eine dreijährige praktische Berufsausbildung durchgemacht; weit über die Hälfte (64 v. H.) sind bereits über 50 Jahre alt6.
Abschließend sei noch bemerkt, daß die vielfach herrschende Ansicht, man habe es auf diesem Teilarbeitsmarkt mit einer ausgesprochenen Industrie der sogen. Thüringer Artikel zu tun, nicht zutrifft. Die hier seit durchschnittlich 70 Jahren heimische Porzellanindustrie stellt in der Hauptsache Gebrauchsgeschirr her. Erst daneben befaßt man sich mit der Herstellung von Thüringer Artikeln, die Konjunktur- und Saisonschwankungen besonders stark unterworfen sind7).
Auch die Annahme, daß Stroh- und Zwiebelmuster8, die noch heute die bevorzugten Unterglasurmuster in der Eisenberger Porzellanindustrie sind, von jeher der Angelpunkt dieser Industrie waren, ist entfaltungsgeschlichtlich unrichtig. Der erhaltene älteste „Preiscourant“ der Firma Reinecke9 kennt das Indischblau überhaupt nicht, wohl aber zeigt er Formen, die heute wieder im Kommen sind.
Das Blaumuster10 (Zwiebelmuster) wurde durch Mühlenfeld11 in Eisenberg eingeführt und anfangs als Aufglasur-Dekor verwendet. Auch bei dem in der Steingutfabrik von Geyer und Körbitz (1886 bis 1900) hergestellten Steingut wurde als Dekor das Meißener Zwiebelmuster verwendet.
Das Strohmuster wurde dagegen erst 1900 durch die Porzellanfabrik Kalk12 in Eisenberg bekannt.
Seite: 82 - 83
d) Der Teilarbeitsmarkt „Keramische Malerei“
c. Der Eisenberger Teilarbeitsmarkt (Qualitäts- und Handmalerei)
Von einem den Reichenbacher Marktmalern entsprechenden Familienbetrieb (mit 4 Beschäftigten) abgesehen, unterschied sich der Eisenberger Teilarbeitsmarkt durch besondere Qualitätsarbeit ganz wesentlich von den übrigen Teilarbeitsmärkten der keramischen Malereien des Jenaer Bezirkes.
In den beiden seit 74 und 54 Jahren bestehenden Malereien wurde bis Mitte des Weltkrieges künstlerisch und handwerklich hochwertige Handmalerei ausgeführt. Typisch ist hier für die Kunstmalerei der sogen. „mitteldeutsche“ Stil, der durch einen zugewanderten schlesischen „Blumenmaler“ neu belebt wurde. Seine Fertigkeit im Malen zusammenhängender Blumen und Zweige (Blumenranken) gab Veranlassung, nach und nach sechs solcher „Blumenmaler“ aus Altwasser nach Eisenberg kommen zu lassen13 In gleich hoher Blüte stand damals die Figurenmalerei.
Für das Ende des Arbeitsmarktes war folgende Entwicklung ausschlaggebend: im Laufe der Zeit erleichterten sich die Handmaler ihre Arbeit bei Unterglasurmalerei durch Verwenden von Pausen. Technische Vervollkommnung ermöglichte die Benutzung von Abziehbildern und Stahldrucken14 und verwischte damit immer mehr den Unterschied zwischen Hand- und mechanischer Malerei. Diese Entwicklung bereitete dem kleinen Teilarbeitsmarkt und seiner Qualitätsarbeit schließlich den Untergang. Dazu kam, daß das Verständnis des Käufers für die Güte der Veredelung der Porzellanware nachließ, so daß sich die Arbeit der Eisenberger Maler nach dem Kriege nicht mehr lohnte.
In den beiden seit 74 und 54 Jahren bestehenden Malereien wurde bis Mitte des Weltkrieges künstlerisch und handwerklich hochwertige Handmalerei ausgeführt. Typisch ist hier für die Kunstmalerei der sogen. „mitteldeutsche“ Stil, der durch einen zugewanderten schlesischen „Blumenmaler“ neu belebt wurde. Seine Fertigkeit im Malen zusammenhängender Blumen und Zweige (Blumenranken) gab Veranlassung, nach und nach sechs solcher „Blumenmaler“ aus Altwasser nach Eisenberg kommen zu lassen13 In gleich hoher Blüte stand damals die Figurenmalerei.
Für das Ende des Arbeitsmarktes war folgende Entwicklung ausschlaggebend: im Laufe der Zeit erleichterten sich die Handmaler ihre Arbeit bei Unterglasurmalerei durch Verwenden von Pausen. Technische Vervollkommnung ermöglichte die Benutzung von Abziehbildern und Stahldrucken14 und verwischte damit immer mehr den Unterschied zwischen Hand- und mechanischer Malerei. Diese Entwicklung bereitete dem kleinen Teilarbeitsmarkt und seiner Qualitätsarbeit schließlich den Untergang. Dazu kam, daß das Verständnis des Käufers für die Güte der Veredelung der Porzellanware nachließ, so daß sich die Arbeit der Eisenberger Maler nach dem Kriege nicht mehr lohnte.