Hintergrund: Reichsbetriebsnummern (R.B.Nr.) [ab 1937 - 1945]

In der Spätphase des II. Weltkrieges wurde die Herstellerangabe zum Zwecke der Geheimhaltung durch eine Nummernkenn­zeichnung, die Reichsbetriebs­nummer, ersetzt - so liest man es im Allgemeinen. Dies half beim Schutz der teils kriegswichtigen Industrie, nachdem Anfang 1943 mit der Ausrufung des »totalen Krieges« das ganze Deutsche Reich zum Kriegsgebiet erklärt worden war. Zuvor war der Fabrikationsstandort oftmals Teil der Herstellerangabe, wie z.B. Jäger, Eisenberg/Thür.
Andererseits wurde die Einführung einer Betriebsnummerierung bereits um 1937 für ein effektiveres »maschinelles Berichtswesen« notwendig. Hintergedanke war eine überschaubarere und überwachbarere Arbeitskräftezuordung zu den Fertigungsstätten sowie andererseits die effektivere Steuerung der Verteilung der Ressourcen und Fertigerzeugnisse. Die scheinbare Anonymisierung der Betriebs­stätten wäre dann nur als ein willkommener Nebeneffekt anzusehen.

Die neunziffrige Reichsbetriebsnummer wurde in drei Zahlenblöcken mit Schrägstrich getrennt geschrieben und sieht schematisch wie folgt aus:         0/0000/0000
Ein Beispiel von der Unterseite eines Bechers (Kantinenporzellan):         R. B. Nr. 2/0906/5043         0/0906/5043
Der Stempel ist nur schwer lesbar. Unsicherheit besteht bei der einzelnen Ziffer vorn, welche eine »0« sein müsste, aber auch eine »2« sein könnte. Derzeit ist unklar, ob es sich bei dieser häufig anzutreffenden Nummer um eine echte Nummer handelt bzw. um welche Firma es sich dann handeln würde. Soweit bekannt ist, haben Bauscher, Weiden und Hutschenreuther, Selb die größte Menge an Kantinenporzellan für Reichsbehörden hergestellt und damit könnte eine der beiden Porzellanfabriken gemeint sein.
R.B. Nr. Reichsgruppenleitzahl Orts-/Kreiskennziffer Betriebsnummer
Ziffern-
block
1 2 3
Ziffern-
stellen
1 2-5 6-9
Bedeu-
tung
Die einstellige Zahl steht für die Reichsgruppen der gewerblichen Wirtschaft.
  Nr.   Gruppe
0 Industrie
1 Handwerk
2 Handel
3 Banken
4 Versicherungen
5 Energiewirtschaft
6 Fremdenverkehr
7 Verkehr
8 Ernährungswirtschaft
9 sonst nicht genannte Gruppen
Die vierstellige Zahl steht für die geografische Lage des Herstellers/Unter­nehmens. Die ersten zwei Ziffern der vierstelligen Kreiskennziffer schränken die Gebiete auf die wichtigste Stadt derselben ein. Wien bzw. die österreichischen Gebiete erhielten die Nummern 1000 und höher.

Erste zwei Stellen der Kreiskennziffern (bis 1942 gültig):
  Nr.   Gruppe
01 Berlin
02 Hamburg
03 Hannover
04 Düsseldorf
05 Köln
06 Frankfurt am Main
07 Stuttgart
08 München

Einzelbeispiele wahrscheinlich für die Zeit ab 1943 (!):
Nr. Kreis/Ort
0250 SO 16 Berlin
0257 Alt-Stralau UND Neu-Kölln
0331 Bleicherode
0332 Nordhausen
0415 Bremen
0421 Wilhelmshaven (Oldenb.)
0560 Wuppertal
0561 Solingen
Die vierstellige Zahl wurde fortlaufend vergeben für die jeweiligen Gebiete und Wirtschaftsgruppen.
Tab.: Systematik der Reichsbetriebsnummer.

Ab 1943 wurde die Reichsbetriebsnummer vorzugsweise auf Fertigerzeugnisse als Herstellerangabe aufgebracht und ersetzte die klar lesbaren Firmennamen. Derzeit ist davon auszugehen, dass im Rahmen der Umstellung der Firmenbezeichnungen auch neue Nummern vergeben wurden.
So fehlt bis einschließlich 1942 die »09« als Beginn der Orts-/Kreiskennziffer, eine Einführung wäre 1943 oder 1944 denkbar. Diese taucht insbeson­dere bei der Stapelware aus Porzellan für Kantinen (0905 | 0906) immer wieder auf. Erklärung könnte sein, dass es sich um »Selb« und »Weiden« handelt - wer weiß mehr?

Nach dem II. Weltkrieg wurde die Systematik der Orts-/Kreiskennziffern für die Postleitzahlen übernommen.

Genaue Unterlagen/Listen finden sich ggf. im Bundesarchiv in Koblenz.


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