Porzellanfabrik Wilhelm Jäger in Eisenberg/Thüringen • fragliche Berghof-Devotionalie • Weihnachtsteller 1933

Teller, tief, glatt, 21 cm mit (Schiebe-)Bildmotiv ›Drei Frauen bei der Feldarbeit‹ und Schriftzug »Weihnachten 1933«

Das Tellermotiv (siehe Bild links) entspricht dem in den 1920er/1930er Jahren typischen einer Massen­ware. Dargestellt sind drei Frauen bei der Ährennachlese auf einem hochsommerlichen, abgeernteten Getreidefeld.
Vergleichbare Teller (auch mit Bezug zu Weihnachten) sind auch heute noch immer mal wieder im Second-Hand-Markt zu finden.

Echt oder Gurke?

Die Echtheit dieses Weihnachtstellers – als Teil des ehemaligen ›Inventars des Berghofes‹ – ist nicht bestätigt.

Der Teller stellt für sich ein Kuriosum dar. Oder soll­ten etwa andere Geschichtsinteressierte ebenfalls einen Weihnachtsteller von 1933 mit ›Berghof‹-Kennzeichnung besitzen?

Bekannte Porzellanmarke

Die Tellerunterseite (siehe Bild rechts) ziert die unter der Glasur sitzende in grün gestempelte Porzellanmarke von der Porzellan­fabrik Wilhelm Jäger in Eisenberg/Thüringen – Krone (und darunter der Schriftzug) Jäger – aus der Zeit von 1928 bis 1940.

Stempel: Berghof + Parteiadler

Zusätzlich und sichtlich über der Porzellanmarke befindet sich (mit Flussmittel) in der Glasur eingebrannt die Stempelung »Berghof plus Parteiadler« in schwarz – welche sicher nicht von der Porzellanfabrik Jäger aufgebracht worden war, sondern mit großer Sicherheit von einem Porzellandekorateur eingebrannt wurde.

Die für den Schriftzug »Berghof« verwendete Frakturschrift (gotische Lettern) – deren weitere Verwendung zu Gunsten der Normal-Schrift offiziell ab 1941 untersagt worden war – stellt einen vergleichsweise sichtbaren Hinweis dar, welcher gegen eine Echtheit des Tellers spricht.

Eine plausible Begründung für den Berghof-Stem­pel als Inven­tarisierungsmaßnahme fehlt respektive ist nicht überliefert. Insge­samt ist nicht überliefert, das es jemals eine entsprechende Inventarisierung gegeben hatte. Eine derartige Markierung wäre mög­licherweise erst ab nach Mitte 1944 notwendig geworden, als im Juli das Führerhaupt­quartier dauerhaft in die militärische Anlage Wolfschanze verlegt wurde, und eine Rückkehr zum Obersalzberg erst nach Kriegsende vorgesehen war?

Kleine Geschichte zum Teller

Die beim Verkauf gemachte Angabe, dass dieser Teller aus dem Nachlass eines ehemaligen Majors der US Army stammt, welcher ab Mitte der vierziger Jahre bis Anfang der fünfziger Jahre des 20. Jahrhunderts in Berchtesgaden stationiert war, ist nicht prüfbar – und auch nicht wie er da hinein gekommen wäre. Aber das ist bei Kriegssouvenirs aus Plünderungen, wenn es stimmen sollte, sicherlich häufiger so. Die weiteren Weihnachtsteller aus diesem Nachlass aus den Jahren ›1934 bis 1945‹ (außer ggf. letzterer?) sollen ebenfalls diesen Stempel auf der Unterseite tragen und stammten von einer anderen Porzellanfabrik. Aufgrund der Gleichheit bei der Stempelung auf anderen ›Artefakten‹ dieses Nachlasses ist eher von einer einmaligen Markierungsaktion auszugehen als von einer regel­mäßigen Markierung über viele Jahre. Andererseits wurde in Umfeld des Obersalzberges – insbesondere in Berchtesgaden – die Nachfrage nach NS-Andenkenartikel bis mindestens in die Mitte der 1950er Jahre hinein gedeckt und auch aus diesem erschöpflichen Devotionalienmarkt könnte dieser Teller in den Besitz des ›GI‹ gekommen sein.

Zur Letzte-Tage-Geschichte des Berghofes

1944: Im Juli 1944 wurde der Obersalzberg als Führerhauptquartier und der Berghof als Quartier von Adolf Hitler aufgegeben. Denkbar wäre, dass daraufhin eine vollständige Inventur des Berghofes durchgeführt wurde.
1945: Zuerst beschädigt durch den Luftangriff des Führerhauptquartiers am Obersalzberg (im Herzen des Reiches) am 25. April 1945 wurde der zwischenzeitlich von SS-Leuten in Brand gesetzte Berghof schließlich von Soldaten der US-Armee sowie einiger Franzosen am 4. Mai 1945 kampflos besetzt. In den Tagen dazwischen plünderten insbesondere Einheimische dieses sowie weitere Gebäude am Obersalzberg; von den verbliebenen Inventar nahmen die Soldaten ihrerseits ›Andenken‹ mit. [Dann wurden scheinbar mehrere Sprengkörper zur Detonation gebracht um das Gebäude unbewohnbar zu machen.] Schließlich wurden die verbliebenen Reste des Berghofs am 30. April 1952 vollständig gesprengt und das Gelände renaturiert. – Etwa so wird es beschrieben. Vgl. Berghof (Obersalzberg) auf der deutschen Wikipedia Bitte beachten: Keine Haftung für Inhalte fremder Internetseiten

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