Porzellanfabrik Kalk in Eisenberg/Thüringen • Unterglasurdekor • »Delft« (handgemalt)

Kurze einleitende Worte Delft-Motiv: blühende Ginsterzweige

»D« der Delft-Porzellanmarke, wahrscheinlich von der Porzellanfabrik KalkDer Deko­rations­stil mit holländischen Landschafts­motiven - geprägt von Gewässern, Segelbooten und Windmühlen - hat seit dem 17. Jahrhundert auf zinnglasierter Keramik große Verbreitung gefunden. Diese Landschaftsmotive waren Teil des handgemalten Delfter Dekorationssettings.
Die Geschichte zum »Delfter Blau« (Delfts Blauw) wird allerdings an einer anderen Stelle aufzuarbeiten sein, denn hier soll es grundsätzlich um Porzellan mit Delfter Dekormotiven wie Schiffen, Windmühlen und Uferlandschaften gehen. Letzteres ist zumeist mit »Delft« gemarkt und stammt überwiegend aus deutschen Landen und damit von (alt)deutschen Porzellanwarenherstellern.

Die Dekormotive auf Porzellan

Delft-Motiv: Windmühle am Gewässerufer und Segelboot; wahrscheinlich Rauenstein
Handgemaltes Delft-Motiv: Windmühle am Gewässerufer und Segelboot;
wahrscheinlich Rauenstein
Delft-Motiv: Segelboote mit Küste im Hintergrund; wahrscheinlich Rauenstein
Handgemaltes Delft-Motiv: Segelboote mit Küste im Hintergrund;
wahrscheinlich Rauenstein
»D« der Delft-Porzellanmarke, wahrscheinlich von der Porzellanfabrik KalkDurch die hand­ge­malten Mo­tive - Schiffe mit Küste im Hinter­grund oder Wind­mühlen am Ufer eines Gewässers zumeist mit Segel­boot - und die Rand- bzw. Umrandungs-Bemalung einschließlich blühender Ginsterzweige ist jedes Geschirrteil ein »Einzel­stück«.
Dabei ist das Motivrepertoire der Porzellanfabrik Kalk im Vergleich zur Rauensteiner Porzellanfabrik wesentlich kleiner und die Feinheit der ausgeführten Detail ist gröber und geringer. Die größte Varianz an Bildmotifen findet sich bei der dekorierten Scherbenform »138« bei den Brotkörben und Teekannen und schon weniger bei den Milchkännchen und Zuckerdosen.
Der blühende Ginsterzweig wurde von der Porzellanfabrik Kalk vorzugsweise mittig ausgeführt, anders als von der Rauensteiner Porzellanfabrik, wo er meist in seitlicher Neigung gemalt wurde.

Das Delfter Teeservice - ein Klassiker

»D« der Delft-Porzellanmarke, wahrscheinlich von der Porzellanfabrik KalkDeutliche Verwechslungsmöglichkeiten gibt es insbesondere bei dem Delft-Teeservice. Ob dieses Teeservice »138« von der Rauensteiner Porzellanfabrik in den 1920er Jahren, insbesondere nach 1928, noch hergestellt worden war, ist derzeit unklar, jedoch kaum wahrscheinlich, da bereits 1924 als Zeichen des sich in der Schlussphase befindlichen Niedergangs der Porzellanfabrik in Rauenstein die Produktion auf wenige Tage reduziert wurde und ab 1926 mit der Übernahme durch Kahla die Produktion praktisch eingestellt und schließlich 1931 die Manufaktur vollständig aufgelöst worden war.
In den 1930er Jahren versuchte sich auch die Porzellanfabrik Wilhelm Jäger in Eisenberg an Delft-dekoriertem Gebrauchsporzellan, jedoch scheinbar nicht sehr lange.
Ähnlich dem Rauensteiner Geschirr findet sich auf Porzellan von Petrus Regout, Maastricht, Niederlande Delftdekor blau unter der Glasur; das Produktionszeitfenster ist ungeklärt, könnte aber um 1900 liegen.
Unklar ist auch, ab wann und in welch großem Umfang ähnliches Geschirr - allerdings ohne Reliefierungen der Oberflächen - von »August Warnecke« (Porzellanhersteller) mit dem Delfzijl-Dekor gefertigt und gemarkt wurde. Dem Augenschein nach dürfte diese Wiederauflage allerdings erst nach den 1960er Jahren erfolgt sein und endete spätestens 1999 mit der Firmenauflösung.

Exkurs

Die Delft-Marke der Rauensteiner Porzellanmanufaktur

1783 wurde in Rauenstein (nahe Sonneberg) die Porzellanfabrik Friedrich Christian Greiner und Söhne gegründet.
Rauensteiner Delft-Porzellanmarken Geschirr und Nippes dieser Fabrik, dekoriert mit Delfter (Holländer-) Motiven, wurde ab etwa 1893, nach dem Eigentumsübergang der Fabrik an Franklin Georgii 1881, eingeführt und anfänglich mit der allgemeinen (gewöhnlichen) Rauensteiner Fähnchenmarke und den Buchstaben »Rn« gemarkt. Zur besseren Markterschließung der Niederlande wurde die Markierung der Porzellanwaren schon bald auf den Schriftzug »Delft«, zuerst handgepinselt, dann mit Druckbuchstaben und schließlich in Schreibschrift gestempelt (siehe Bild links), umgestellt.
Die Verwendung des Delft-Schriftzuges stieß bei den in Delft ansässigen Herstellern von Keramikwaren mit Delftdekormotiven schnell auf Wiederstand, vielleicht auch deshalb weil die Porzellanartikel mit den idealistisch gemalten Dekormotiven sehr zauberhaft wirkten und sich entsprechend gut verkaufen ließen. In einem Rechtsstreit um die Jahrhundertwende wurde der Schriftzug »Delft« auf Porzellan der Rauensteiner Porzellan­manufaktur zugesprochen. Bei Gauß, Renate; Witter, Katharina (1988): Die Porzellanmanufaktur Rauenstein (Seite 52 f.) liest sich dies so: »...Die Beschwerde der Delfter Fayencemanufaktur gegen die Verwendung ihrer Motive konnte unter Hinweis auf den Unterschied von Porzellan und Fayence und auf die freie Abwandlung der holländischen Vorlagen abgewiesen werden. Freilich entbehrt das Argument, dass die Markenunterschrift 'Delft' einer Weinlaune des Gestalterkollektives entsprungen sei, nicht einer gewissen Komik: man habe ihr nämlich den Text unterlegt 'Der Esel läuft fortwährend Trab'...«
 

Ab hier soll es primär um die Fertigerzeugnisse der Kalker Porzellanfabrik in Thüringen gehen

»D« der Delft-Porzellanmarke, wahrscheinlich von der Porzellanfabrik KalkDa immer wieder die Firmenmarke auf entsprechenden Porzellanscherben fehlt, ist eine Zuordnung entweder gar nicht möglich, oder nur anhand »alleinstellender Merkmale der Form« oder Dekoration, wobei diese Methode nie vollständig sicher ist. Neben der Kalker Form 138 (barockisierte Scherbenformenvariante) wurden die Geschirrteile der Form 128 sowie die Brotplatte aus Porzellan mit Delft-Dekor bemalt; allerdings fehlen bislang Belegstücke mit einer eindeutigen Kalker Porzellanmarke. Die hier vorgestellten Porzellanscherben »leiden« unter dieser Tatsache - und es kann keine Garantie für die Kalker Herkunft übernommen werden. Selbst die im Porzellankörper eingestochene (tiefreliefierte) Formnummer »138« ist nicht zwingend verlässlich, weil bereits die Rauensteiner Porzellanfabrik vergleichbare Formen mit gleicher Formnummer verwendete. Unklar ist, zu welchen Bedingungen die Porzellanfabrik Kalk nach der Schließung der Rauensteiner Porzellanfabrik zum Ende der 1920er Jahre die Geschirrserie der Form 138 fortsetzte.
In den Adressbüchern der Porzellanindustrie wurde Holland ab 1929 (Ausgabe von 1930) als Exportzielland für die Porzellanfabrik Kalk benannt und ab 1932 explizit »Delft« als Genre.

Die Kalker Dekormotive

Fahne von Teller und Untertasse der Form 138

Spiegelmotiv des Tellers der Form 138

Spiegelmotiv des Brotkorbes der Form 138

Motive des Hohlgeschirrs der Form 138

 

Bekannte Porzellanmarken — bisher keine sicher nachgewiesenen!

»D« der Delft-Porzellanmarke, wahrscheinlich von der Porzellanfabrik KalkDie Kalker Porzellanmarke findet sich nicht durchgängig auf allen Geschirrteilen; noch genauer bezeichnet ist in Bezug auf den Delft-Dekor derzeit keine Porzellanmarke absolut sicher bennenbar. Die nachfolgend benannten Markungen könnten, müssen aber nicht von der Porzellanfabrik Kalk gestempelt worden sein - vieles spricht allerdings dafür. Da das fertige Geschirr vorzugsweise nach den Niederlanden exportiert wurde, war die gekreuzte Pfeile-Markung nicht unbedingt Pflicht bzw. kollidierte möglicherweise mit dem Markenschutzrecht der Niederlande oder noch wahrscheinlicher sah die Kalker Porzellanfabrik für sich die Chance, Nachfolger der Rauensteiner Porzellanmanufaktur auf dem Gebrauchsgeschirrmarkt zu werden, und verwendete eine nur leicht abgewandelte Marke wie die Nachfolgende (?). Denn auf Rauensteiner Porzellanen findet sich der Schriftzug »Delft« (siehe oben) in sehr ähnlicher Schreibschrift gestempelt, jedoch ohne das Oval im oberen Anstrich des D-Bogenstrichs.
Die bekannten Porzellanmarken sind:
Stempelung: Delft - Zuordnung zur Porzellanfabrik Kalk unsicher! Stempelung: Delft Handgemalt - Zuordnung zur Porzellanfabrik Kalk unsicher! Gestempelter Schriftzug »Delft Handgemalt« und handgemaltes N. - Zuordnung zur Porzellanfabrik Kalk unsicher!
 

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Quellennachweis/Zitation

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Bilder: Eigenes Archiv.
 

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Zu Delfter Keramiken siehe beispielsweise:
https://de.wikipedia.org/wiki/Delfter_Keramiken
https://de.wikipedia.org/wiki/Delfter_Blau
https://www.delftsaardewerk.nl/artikel/inleiding
https://www.delftsaardewerk.nl/ontdekken/merkenindex
https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/5/5c/Merken_van_de_Mr_plateelbakkers_binnen_Delft_1764.pdf
https://community.ebay.de/t5/Einstellen-und-Verkaufen/Porzellan-aus-Delft-Merkw%C3%BCrde-eMail-erhalten/td-p/438396
Zu Rauensteiner Porzellan mit Delft-Dekor siehe beispielsweise:
https://www.monumente-online.de/de/ausgaben/2010/5/rauensteiner-eselei.php
https://www.youtube.com/watch?v=BMnPBrhVzGk

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by Günther Schleu
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