Eisenberger Porzellan • Vielfalt • Zwiebelmuster

Porzellan und blau sind zwei Worte, die sich nicht weg denken lassen. Die ersten Porzellane, mit denen Europäer in Berührung kamen, stammten aus China und waren mit Blaumalerei unter der Glasur dekoriert, und entsprechend teuer. So ist es kein Wunder, dass der Sachsenkönig August der Starke Anfang des 18. Jahrhunderts die Ausgaben für sein kostspieliges Hobby - »La maladie de porcelaine« - senken wollte und deshalb die Arbeiten von Johann Friedrich Böttger und Ehrenfried Walther von Tschirnhaus förderte, welche in der Jungfernbastei der Festung Dresden das Porzellan nacherfanden. Es dauerte fast 10 Jahre, bis die richtigen Mischungen für den Porzellankörper und die Glasur sowie die Brenntemperatur gefunden worden waren und noch weitere Jahre, bis die kobaltblaue Farbe für die Malerei rezeptiert war.

Der Ursprung des Zwiebelmustermotivs liegt heute mehr denn je im Unklaren. Die Entwicklung der »ordinairen Mahlerey« bzw. »ordinair blau« geschah nach 1725 und könnte aus einer gegenseitigen Beeinflussung meissener und chinesischer Porzellanmaler entstanden sein, zumindest finden sich asiatische Stücke die als Vorläufer oder Parallelentwicklung gesehen werden können und müssen. In den Folgejahren entwickelte sich ein feststehendes Set aus Elementen. Das Aussehen der fertigen Stücke variiert dennoch stark genug, so dass Unterschiede der einzelnen Dekorateure sichtbar blieben.
Das gut eingeführte Meissener Zwiebelmuster wurde schon bald von anderen Porzellanmanufakturen kopiert. Um ein einheitlicheres Aussehen zu erwirken, wurde im 19. Jahrhundert Stanniolfolie verwendet, durch deren kleine Durchlöcherung die Position und Linienführung der Elemente durch Kohlestaub »vorgezeichnet« werden konnte, ohne das es in den nachfolgenden Fertigungsschritten zu nachteiligen Veränderungen kam. Dadurch wurde die Geschwindigkeit der Malertätigkeit bei gleich- bis höherwertigerer Verarbeitungsqualität erhöht. Diese Methode scheint in Eisenberg allerdings unbekannt gewesen zu sein oder nur von einzelnen Porzellanmalern genutzt worden sein, da die Geschirrteile zwar ein ähnliches, aber nie gleich genuges Aussehen zeigen.

Zu den einzelnen Eisenberger Porzellanherstellern

Zwiebelmuster blau unter der Glasur bedingt, dass der Dekorationsschritt vor dem Glasieren und Glattbrand erfolgen muss. Dies kann nur von einer Porzellanmanufaktur/-fabrik erfolgen, niemals von einer ausschließlichen Porzellanmalerei-Werkstatt, da der Porzellanscherben nach dem Schrühbrand noch sehr bruchempfindlich ist und Porzellanmasse und Glasur auf einander abgestimmt sein müssen, damit der Porzellanbrand gelingt. Mit Zwiebelmuster dekoriertes Geschirr wurde in Eisenberg in großer Stückzahl und auf vielerlei Formen hergestellt.
Es ist davon auszugehen, dass eine Vielzahl der Eisenberger Porzellangeschirrteile keine Porzellanmarke trägt. Dadurch ist eine sichere Zuordnung nicht möglich.

Porzellanfabrik (Eduard Friedrich) Mühlenfeld (1881 - 1911) und Porzellanfabrik Wilhelm Jäger (1911 - 1960)

Als gesichert gilt, dass Zwiebelmuster ab etwa 1883 von der Porzellanfabrik Mühlenfeld aufglasur gemalt worden war und ab etwa 1885 unter der Glasur.
Da Wilhelm Jäger im Juli 1911 die Porzellanfabrik vollständig übernahm und ohne große Veränderungen die Geschirrproduktion und bei gleichbleibender Porzellanmarke »M.P.M.« weiterlief, ist eine Unterscheidung und Zuordnung der Porzellanscherben mit Zwiebelmuster aus der Zeit vor Veränderung der Geschirrformen in den folgenden Jahren fast nicht bis gar nicht möglich.
Im Musterbuch von ca. 1910 ist zwiebelmusterdekoriertes Geschirr abgebildet.
Mit der Umstellung von Handmalerei auf Dekorstempelung Mitte 1925 - anfangs die Blüten, später das ganze Motiv - wurde ein einheitlicheres Aussehen der dekorierten Geschirre erreicht. Gegen Ende der Produktionszeit - um 1939 - wurde auf großen, flachen und tiefen, Tellern an der Basis des Bambushalmes M.P.M. hinzugefügt. Dies geschah in Anlehnung an die Meissener Schwertermarke, die seit 1888 für diese Position ein Platz gefunden worden war.
Siehe ggf. auch: Hintergrund • Porzellanmarken • MPM | M.P.M..

Porzellanfabrik F.A. Reinecke (1865 - 1960)

Für die Porzellanfabrik Reinecke ist der Beginn der Zwiebelmusterdekoration unklar. Die Anlehnung an die Meissener Porzellan­manufaktur ist vermutbar genau wie die Anlehnung an erfolgreiche Scherbenformen. Das handgemalte Zwiebelmuster wurde teilweise ab Mitte 1925 auf Stempeldekor umgestellt, jedoch gab es auch weiterhin eine Produktlinie mit handgemaltem Zwiebelmuster.
Katalogauszug
Bild: Bildausschnitt aus Katalog von ca. 1895 mit Meissener Form und Händlerpreise für Zwiebelmuster und Weißware (je Dutzend).

Porzellanfabrik Kalk G.m.b.H. (1900 - 1972)

Bereits in der Steingutfabrik Geyer, Koerbitz & Co. wurde Zwiebelmuster auf das Steingutgeschirr aufgebracht. Ab 1900 wurde Porzellan hergestellt und die Blaumaler/innen setzten den Dekorstil auf den Porzellanscherben fort. Daher unterscheidet sich das Kalker Zwiebelmuster in einigen Details deutlich von den anderen Eisenberger Porzellanfabriken und auch von den meisten anderen Herstellern von Porzellan.
Katalogauszug
Bild: Bildausschnitte aus Katalog von ca. 1935 (links) und ca. 1928 (rechts) mit Tassenform 382 (entspricht Meissener Form) für Zwiebelmuster und Weißware.
Anmerkung: Lediglich Porzellangeschirr von Villeroy und Boch hat mehrere stilistische Ähnlichkeiten.

Die Eisenberger Dekorationstradition

Überwiegend wurde die Blaumalerei als Winkelmalerei durchgeführt - also in Heimarbeit. Eine Abgrenzung des Begriffes »Blaumodell« zwischen Strohmodell und Zwiebelmodell ist dabei nicht so einfach, da gerade kleinere Porzellanteile, welche blau unter Glasur dekoriert wurden, vorzugsweise nur mit einem oder wenigen Elementen des Zwiebelmodellsets verziert oder aber auch mal mit Elementen des Strohmodells gemischt wurden. Da das Meissener Zwiebelmuster und auch die frühen Meissener Geschirrformen nicht mehr urheberrechtlich schützbar waren, wurden diese nachgeahmt. So wurde die Tasse mit Wellenrand und Asthenkel sowie die Teller der Formserie Neuer Ausschnitt nachgebildet.
Mit der Einführung des leichter malbaren und im Export erfolgreichen Dekors »Strohhalmmuster« (Indisch-Blau) im Jahr 1900 als »Mitbringsel« der Kalker Porzellanfabrik wurde das Strohblumenmuster weitgehend verdrängt und schließlich bis Ende der 1930er Jahre auch das Zwiebelmuster.

Spiegelmotiv mit Zwiebelmuster von der Porzellanfabrik Kalk G.m.b.H. Spiegelmotiv mit Zwiebelmuster von der Porzellanfabrik G.A. Reinecke
Bilder: Handgemaltes Zwiebelmuster-Spiegelmotiv, blau unter Glasur; links: Porzellanfabrik Kalk G.m.b.H., ca. 1910; rechts: Porzellanfabrik Reinecke, ca. 1930.
Mit der Einführung der Dekorstempelung ab Mitte 1925, zuerst als Teilstempelung, und Jahre später dann mit Vollstempeln, verlor das Aussehen der Geschirrteile zusehends seine ureigene Individualität. Porzellanstücke aus der Zeit von der Porzellanfabrik Wilhelm Jäger und F.A. Reinecke zeigen dies.
Soweit bekannt wurde letztmalig in Eisenberg Zwiebelmustergeschirr von den VEB Vereinigten Porzellanwerken (Fortuna) auf der Form Pompadour im Stempelverfahren hergestellt. Zwischen 1972 und 1974 wurden die Eisenberger Porzellanwerke Teil der VEB Porzellanwerke Kahla. Diese wiederum konzentrierte die Aktivitäten auf einzelne Werke und gab den Dekorationsbereich für Zwiebelmuster an das Porzellanwerk Triptis und später fertigte das Stammwerk in Kahla Zwiebelmustergeschirr.

Bekannte Porzellanmarken

Die nachfolgende Liste Eisenberger Porzellanmarken wurde anhand existierender Porzellanstücke erstellt. Es ist also durchaus möglich, das noch weitere Markungen bzw. Markenvarianten existieren. Die Anzahl der Firmen ist grundsätzlich auf die bereits genannten beschränkt.

Porzellanfabrik (Eduard Friedrich) Mühlenfeld (1881 - 1911)

1883 - 1911: gestempelt, blau und unter Glasur: M.P.M.


Porzellanfabrik Wilhelm Jäger (1911 - 1960)

1911 - 1939: gestempelt, blau unter der Glasur: M.P.M.
1919 - 1925: gestempelt, blau unter der Glasur: Jäger E


Porzellanfabrik F.A. Reinecke (1865 - 1960)

unb. - 1925: gestempelt, blau oder grün unter der Glasur: PRME im Diagonalkreuz
1926: gestempelt, blau unter der Glasur: R.P.M. Anno 1796
1926 - 1960: gestempelt, grün unter der Glasur: Krone - Reinecke gegründet 1796 - ohne oder mit »handgemalt«

Vor/bis 1926:


Um 1926:


Ab/nach 1926:

VEB Vereinigte Porzellanwerke Eisenberg [Fortuna] (1960 - 1974)

1960 - 1974: gestempelt, blau unter der Glasur: Fortuna - Kleeblatt - Eisenberg

Kleeblatt mit Schriftzug »FORTUNA« und »EISENBERG«

Porzellanfabrik Kalk G.m.b.H. (1900 - 1972)

1900 - 1925: handgemalt, blau unter der Glasur: gekreuzte Pfeile ohne oder mit röm./arab. Zahl

Porzellanfabrik Bremer & Schmidt (1895 - 1924 und 1924 - 1972)

Bislang ist kein Geschirr mit Zwiebelmusterdekor bekannt.

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