Hintergrund • Porzellanmarken • MPM | M.P.M.

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Derzeitiger Stand, einleitende Gedanken

Die gestempelte M.P.M.-Porzellanmarke findet sich bei Porzellanscherben auf oder unter der Glasur. Dabei sind verschiedene Schriftvarianten erkennbar und die Schreibweise mit und ohne Punkte ist vorhanden. Derzeit scheint einzig die unter der Glasur befindliche (kobalt-)blaue MPM-Marke einigermaßen sicher zuordenbar, die Marken auf der Glasur können hier nur erwähnt werden, nicht jedoch tiefergehend erläutert, da keine Informationen zur Verfügung stehen.
Die in der Porzellanmarkenliteratur genannte handgemalte M.P.M.-Porzellanmarke der Porzellanfabrik Meissen von November bis Dezember 1722 (und manchmal wohl noch in den Folgejahren) wird hier nicht weiter betrachtet. Nebenbei wurde das heute bekannte und beliebte »Zwiebelmuster«, welches auf chinesischen Vorlagen zurückgeht bzw. sich im wechselseitigen Austausch entwickelte, nach derzeitigem Wissensstand nicht vor 1728, sicher erst ab 1730 (und auf jeden Fall seit vor 1745) gemalt und damit wäre eine Kombination von handgemalter MPM-Marke und Zwiebelmuster niemals Meissen zuschreibbar (siehe: R. Röntgen, 2004).

Zeitraum Firmennamen Inhaber Firmenzweck Ort
1881 - 1911 Porzellanfabrik Mühlenfeld Eduard Friedrich Mühlenfeld Porzellanfabrik mit eig. Malerei
Zwiebelmuster, Blaumodel,
später Strohmodel
Eisenberg
(Sachsen-Altenburg)
1911 - 1960 Porzellanfabrik Wilhelm Jäger Wilhelm Jäger
und Nachfolger
Porzellanfabrik mit eig. Malerei
Zwiebelmuster, Indisch Blau,
Delft, Vogel-auf-Ast ...
Eisenberg
(Sachsen-Altenburg /
später Thüringen)
   
Nachgewiesen ist die Marke ab ca. 1882 bis 1911 für Mühlenfeld Porzellanmanufaktur und für die Porzellanfabrik von Wilhelm Jäger von 1911 bis ca. 1939 für unter Glasur blau dekoriertes Porzellan und mit der Porzellanmarke blau unter der Glasur und gestempelt. Derzeit gibt es keine Hinweise auf eine Unterscheidungsmöglichkeit zwischen den beiden Firmen, da die Formen und Schablonen unverändert weiter verwendet wurden und derzeit keine Anhalte vorliegen, die über die Geschirrform und/oder Dekor selbst jeden Zweifel zu beseitigen vermögen.
Die schlankere Buchstabenkombination (obige Bildreihe ganz rechts) findet sich überwiegend auf zwiebelmusterdekoriertem Geschirr mit teilweiser oder vollständiger Dekorstempelung. Sie dürfte damit die jüngste Variante darstellen und ist damit wahrscheinlich erst ab etwa Mitte der 1930er Jahre gestempelt worden. Flache und tiefe Speiseteller (Dm. 24 cm) mit M.P.M. an der Basis der Bambusstange, überwiegend mit gestempelten Dekor, sind ausschließlich mit dieser Markenvariante gestempelt.
Für den Zeitraum der vorhergehenden Porzellanfabrik mit den Firmeninhabern Ludwig Mehlhorn (1870 bis 1881) und Eduard Julius Jäger (1870 bis 1877) ist derzeit der Verwendungsnachweis einer MPM-Marke nicht gelungen! Entsprechende Datierungen sind ohne echte Firmenbelege strikt abzulehnen.
Quellliteratur zum Markennachweis:
Seidel, Reinh. (1935): Bücherei der Warenkunde für Einkäufer und Verkäufer. Band 2, Porzellan. Berlin. 1. Auflage. Seite 116. (Hier keine exakte Markennachbildung, sondern nur eine Darstellung der Buchstabenfolge.)
Petermann/Pöpel (1999): Geschichte des Eisenberger Porzellans. Gründung, Aufschwung, Blüte und Niedergang eines Industriezweiges. Gera. 1. Auflage. Seite 22.
 
ca. 1865 bis 1872 Porzellan- und Steingutfabrik F. N. Matthiessen Reinhold Matthiessen (Sohn von Friedrich Nikolai Matthiessen) Porzellan- und Steingutfabrik Tiefenfurt
(Schlesien)
   Markenzeichen MPM aus ..
Die Steingutfabrik wurde 1808 gegründet und stellte zusätzlich ab etwa 1856 Gebrauchsgeschirre aus Porzellan her. Am 27.08.1872 ging die Fabrik ein in die Schlesische Porzellan- und Steingut-Manufaktur AG.
 
??? bis 1905 C. Müller Porzellanmalerei und Fayencefabrik Steinwiesen
(Bayern)
   Derzeit kein Bild verfügbar.
Derzeit ist anzunehmen, dass die Firma von C. Müller ausschließlich auf Glasur gemarkt hat, da diese im Bereich der Porzellanmalerei tätig war.
Kein Firmennachweis gesichtet; sehr fragliche Zuordnung, da kein Quellenbeleg vorhanden!
 
1887 - 19xx Porzellanfabrik E. & A. Müller Müller
und Nachfolger
Porzellanfabrik Schönwald
(Bayern)
   Markenzeichen MPM aus Adressbuch der Keramindustrie von 1906, Seite 124. Markenzeichen MPM aus Adressbuch der Keramindustrie von 1907, Seite 136.
Die obigen Markenabbildungen stammen aus Adressbüchern der Keramindustrie 1906 (Seite 124) und 1907 (Seite 136). Die unter der M.P.M.-Marke stehende Abkürzung »I. d. M. gest.« wird nicht erklärt, könnte jedoch »In die Masse gestochen« bedeuten und dieser Hinweis grenzt, soweit in den Adressbüchern erkennbar, konsequent Marken »unter der Glasur« dadurch ab.

Fazit

Die Abgrenzung der einzelnen Produktionsstätten stellt eine gewisse Herausforderung, auch für Porzellanmarken Erfahrene, dar. Leitmotiv der Porzellanmarkenbestimmung sollte allerdings nicht der maximale Verkaufserfolg oder ein gefühlter Sammlertriumpf sein, sondern schlicht Korrektheit.
Die blau unter der Glasur befindliche Marke kann sehr sicher Eisenberg zugeordnet werden. Heute zu findende Porzellanstücke mit unter der Glasur blau gestempelte M.P.M.-Marke entstammen wahrscheinlich überwiegend der Zeit zwischen den beiden Welt­kriegen; ältere Stücke dürften zwar auch immer mal wieder gezeigt bzw. angeboten werden, jedoch eher die Ausnahme darstellen.
Ohne Bilder von auf der Glasur befindlichen Porzellanmarken bei sicher nachgewiesener Firmenzuordnung wird eine ordentliche Abgrenzung schwierig sein und bleiben.

Dekorationsbeispiele von M.P.M.-gemarktem Geschirr der Porzellanfabrik Jäger/Eisenberg i.Thür.
aus der Zeit bis vor dem II. Weltkrieg


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