Auszug - Stichwort „Eisenberg“ aus »Wer ist wer?«

Aktuelle Anmerkungen zum Buch
Die Zusammenstellung von Ekkehard Kraemer (um 1985) ist in ihren Aussagen derzeit weitgehend überholt, insbesondere wenn es um die Eisenberger Porzellanmarken geht; siehe auch: Porzellanfabrik Kalk.
Da es zu den Thüringer Porzellanfabriken derzeit keine bessere Literatur gibt, bleibt meist nur der Griff nach diesem Werk. Dem Interessierten kann nur empfohlen werden, die Eisenberger Porzellanmarkenseiten auf porzellanfieber.de anzusehen, wenngleich auch hier noch an vielen Stellen Konkretisierungs- und Verfeinerungsbedarf besteht.

500 Namen von Personen, Orten und Betrieben des sächsisch-thüringischen Porzellans aus Vergangenheit und Gegenwart.

Zusammengestellt und erläutert von Ekkehard Kraemer.

Eisenberg, Kreisstadt in Bezirk Gera (Thüringen), ca. 13.000 Einwohner.
Entwickelte sich im 19. Jh. zu einem Zentrum der Porzellanindustrie. Bereits in der Mitte des 19. Jh. arbeiteten dort sechs Porzellanfabriken in denen ca. 800 Personen beschäftigt wurden.
Auf der Grundlage eines am 16.6.1796 erteilten Privilegs richtete hier Heinrich Ernst Mühlenberg, Besitzer einer Porzellanmalerei in Roschütz, vorher als Maler in der Volkstedter Porzellanmanufaktur tätig, in der Eisenberger Altstadt eine Porzellanfabrik ein. Produziert wurde Haushaltsporzellan, aber auch in geringen Mengen Vasen und andere Ziergegenstände.
Der Betrieb konnte 1805 und 1810 vergrößtert werden werden und übernahm 1806 die Konzession der Brüder Döll in Altenburg zur Steingutfertigung. Nach dem Tode H.E. Mühlenbergs im Jahre 1826 leitete dessen Gattin den Betrieb. Besonderen Erfolg hatte die Aufnahme der Blaumalerei als Nachahmung gefragter Sortimente anderer bekannter Manufakturen. Das „Strohhalmmuster“ beeinflußte die Dekorpalette des Betriebes bis in das 20. Jh.
Nach dem Tode der Witwe des Gründers 1845, durch den Sohn Karl Mühlberg geleitet, kam der Betrieb durch die starke Konkurrenz in wirtschaftliche Schwierigkeiten und ging in Konkurs.
Der Betrieb wurde durch Herrmann Schulz übernommen und trotz zeitweiliger wirtschaftlicher Rückschläge erfolgreich als

Schulz & Co., Porzellanfabrik
weitergeführt.
1865 ging der Betrieb in den Besitz von Friedrich August Reinecke über. Firmiert wurde nunmehr als

F.A. Reinecke, Porzellanfabrik
Prod.-Progr.: Gebrauchsgeschirre spez. Zwiebelmuster und Blaumodell.
Der Betrieb schloß sich 1960 mit der „Porzellanfabrik Wilhelm Jäger“ zu den

Vereinigten Porzellanwerke Eisenberg
zusammen.
Seit 1972 in Volkseigentum, firmiert der Betrieb

VEB Vereinigte Porzellanwerke Eisenberg
Im Betrieb wurde etappenweise, beginnend ab 1972/73 bis 1977 die Porzellanproduktion beendet. Facharbeiter und Formenpark wurden einschließlich der Nutzung der „Jäger-Marke“ vom „Porzellanwerk Eisenberg“ übernommen.

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(1) Erste bekannte Marke des Betriebes im 19. Jh., (2) 20. Jh. - ca. 1960, (3) etwa 1927 - 1960, (4) 1960 - 1976
Die Marke (2) wurde bis 1926 gestempelt, es sind mindestens 3 Varianten bekannt. Wie auch bei allen anderen Fabriken fehlen viele verschiedene Varianten, aber auch einzelne eigene Markungen.

Porzellanfabrik Bremer & Schmidt, Eisenberg gegründet 1895, Prod.-Progr.: Haushaltsporzellan, Mokkaservice in barocker und klassizistischer Form.
Wurde 1972 in Volkseigentum übernommen und mit der „Porzellanfabrik Kalk GmbH“ zum

VEB Spezialporzellan Eisenberg zusammengeschlossen. 1974 erfolgte Zusammenschluß mit den anderen Eisenberger Porzellanbetrieben zum VEB Porzellanwerk Eisenberg. Produziert wird das bekannte „Original Blau Saks“. Der Betrieb ist dem „VEB Vereinigte Porzellanwerke Kahla“ angeschlossen.

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(1) bis 1972, (2) ab 1972 - (?), (3) seit 1976 - heute.
Die Porzellanmarke, Krone, zwei sich kreuzende Stäbe und die Buchstaben B S E, wurden 77 Jahre lang verwendet, teilweise mit verschiedenen Zusätzen. Allerdings variiert die Buchstabengröße (teilweise kleineres E) und die Krone mit Kreuz oder alternativ mit Kreis und Rechteck und mit zwei unterschiedlichen Kronenvarianten, die eine bauchig gerundet, die andere leicht tailiert. Die Bedeutung dieser varianten Marken ist bislang unklar.

Porzellanfabrik Geyer, Koerbitz & Co.
1888 als Steingutfabrik gegründet, wurde 1890 auf Porzellanherstellung umgestellt und ging 1904 in die „Porzellanfabrik Kalk GmbH, Eisenberg“ über.

Die Steingutfabrik wurde 1888 von E. Mühlenfeld gegründet, 1895 an Geyer und Koerbitz verkauft, und im Jahr 1900 mit der Porzellanfabrik Kalk bei Cöln fusioniert und als Porzellanfabrik Kalk G.m.b.H weitergeführt. Dass vor dem Jahr 1900 Porzellan gefertigt wurde, ist heute mehr als unwahrscheinlich. Die Marke mit den drei Türmen ist die Steingutmarke zwischen 1895 bis 1899 von der Steingutfabrik.

Porzelllanfabrik Wilhelm Jäger
Gegründet 1867, Prod.-Progr.: Haushaltporzellan. Der Betrieb schloß sich 1960 mit der „Porzellanfabrik F.A. Reinecke, Eisenberg“ zu den „Vereinigte Porzellanwerke Eisenberg“ zusammen.
Der Betrieb wurde inzwischen stillgelegt.

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(1) u. (2) nach 1900, (3) 1912 angemeldet, alle 3 Marken wurden bis in die 40er Jahre genutzt. Als Nachfolgemarke entstand Ende der 40er Jahre aus den Marken (1) u. (3) die Marke (4), die bis 1960 im Gebrauch war.
Diese Porzellanfabrik wurde von den Herrn Ludwig Mehlhorn und Eduard Julius Jäger am 3. Feburar 1870 in Betrieb genommen, allerdings 1869 formal gegründet. Herr Jäger schied bereits 1872 wieder aus und Herr Mehlhorn verkauft 1885 die Porzellanfabrik an Herrn Eduard Mühlenfeld. Herr Wilhelm Jäger kaufte die Porzellanfabrik am 28. Juli 1911. Der Name wurde bis 1960 behalten und danach noch als Porzellanmarke bis etwa 1993 weiter verwendet.
Die Marke (1) wurde nur kurze Zeit, in der ersten Hälfte der 1920er Jahre, gestempelt. Eine Abwandlung davon wurde bis 1940 verwendet. (2) wurde etwa bis 1920 gestempelt, (3) wurde bis etwa Mitte 1925 verwendet, die Porzellanmarke (4) wurde wahrscheinlich mit verschieden zusätzlichen Angaben von 1972 bis 1991 verwendet.

Porzellanfabrik Kalk GmbH
Gegründet 1900, Prod.-Progr.: Kaffee- und Tafelgeschirr, Spez.: gerippte Tafel- und Kaffeegeschirre mit Strohhalmmuster. Im Jahr 1904 durch den Ankauf der Eisenberger Porzellanfabrik „Geyer, Koerbitz & Co.“, erweitert.
1972 in Volkseigentum übernommen und mit der Porzellanfabrik „Bremer & Schmidt“ zum VEB Spezialporzellan Eisenberg zusammengeschlossen, als dessen Betriebsteil weiter porduziert wurde. Die Produktion wurde im ehemaligen Werk „Kalk“ 1976 beendet.

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(1) Erste Betriebsmarke um 1900. Diese Marke wurde in den folgenden Jahren oftmals abgewandelt (2)-(4), Marke (5) Jubiläumsmarke um 1949/50 entstanden, bis 1972 verwandt.
Zum 1. Januar 1900 wurde die Porzellanfabrik Kalk G.m.b.H. in Eisenberg aus den zwei Betrieben, Porzellanfabrik Kalk bei Cöln und Steingutfabrik Geyer, Koerbitz & Co., gegründet.
Die Marke (1) wurde erst ab etwa 1933 blau unter Glasur gestempelt, (2) wurde um Mitte 1925 überwiegend auf der Glasur gestempelt, (3) ist sicher nachgewiesen für die Zeit von 1940 bis 1947, (4) ist als alleinstehende Marke keine akzteptable Beurteilungsgrundlage und (5) gab es in drei Varianten, wobei nur die echte Jubiläumsmarke in grün und braun als Schiebebild aufgebracht wurde und die gezeigte Variante galt etwa von 1947 bis 1956.

Porzellanfabrik G.W. Kunze
Gegründet 1869, Prod.-Progr.: Gebrauchsgeschirr und Blumenübertöpfe.
Der Betrieb wurde später durch Friedrich Kraft übernommen und erlosch 1926.

Porzellanfabrik Mehlhorn
Gegründet 1870 durch Mehlhorn. Prod.-Progr.: Gebrauchsgeschirr, spez. Zwiebelmuster und Blaumodell.
Der Betrieb wurde später an E. Mühlenfeld verkauft und firmierte

E. Mühlenfeld, Porzellanfabrik
Ging in der Porzellanfabrik „Wilhelm Jäger“ auf.

Paul Richter, Porzellanfabrik
Gegründet 1889.
Der Betrieb besteht nicht mehr.



Porzellan-Manufaktur J. Schmeisser
Gegründet 1871, Prod.-Progr.: Haushaltgeschirr.
Der Betrieb besteht nicht mehr.



Quelle:
Kraemer, Ekkehard (1985): Sächsisch-thüringisches Manufakturporzellan; Frankfurt am Main, Berlin. Seite 247 - 249.
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