Porzellanfabrik Kalk in Eisenberg/Thüringen • Unterglasurdekor • »Delft Blau«

Kurze einleitende Worte

Delft-Motiv: GinsterDie Geschichte zum »Delfter Blau« (Delfts Blauw) wird an einer anderen Stelle aufzuarbeiten sein, da es sich hierbei weder um Porzellan (sondern um zinnglasierte Keramik) noch um einen originären Eisenberger Dekorationsstil handelt. Anders liegt es mit Porzellan mit »Delft« als Schriftzug - handgemalt, gestempelt als Druckbuchstaben oder in handmalerischer Schreibschrift - stammt mit großer Wahrscheinlichkeit aus Deutschland bzw. (alt)deutschen Porzellanmanufakturen.

Hier soll es primär um die Kalker Porzellanfabrik in Thüringen gehen

Da sehr häufig die Firmenmarke auf entsprechenden Porzellanscherben fehlt, ist eine Zuordnung entweder gar nicht möglich, oder nur anhand »alleinstellender Merkmale der Form« oder Dekoration, wobei diese Methode nie vollständig sicher ist. Neben der Kalker Form 138 (barockisierte Scherbenformenvariante) wurden die Geschirrteile der Form 128 sowie die Brotplatte aus Porzellan mit Delft-Dekor bemalt, allerdings fehlen bislang Belegstücke mit einer Kalker Porzellanmarke. Die hier vorgestellten Porzellanscherben »leiden« unter dieser Tatsache - und es kann keine Garantie für die Kalker Herkunft übernommen werden. Selbst die im Porzellankörper eingestochene (tiefreliefierte) Formnummer »138« ist nicht zwingend verlässlich, weil bereits die Rauensteiner Porzellanfabrik die gleiche Form mit gleicher Formnummer verwendete. Dies war sicher erst nach Schließung der Rauensteiner Porzellanfabrik Ende der 1920er Jahre möglich, evtl. setzte die Porzellanfabrik Kalk die Geschirrserie fort (?).
In den Adressbüchern der Porzellanindustrie wurde Holland ab 1929 als Exportzielland für die Porzellanfabrik Kalk benannt und ab 1932 explizit »Delft« als Genre.
Stempelung: Delft Handgemalt - Zuordnung zur Porzellanfabrik Kalk unsicher!

Kleiner Exkurs - Die Delft-Marke der Rauensteiner Porzellanmanufaktur

Der Schriftzug einer Porzellanmarke mit den Worten »Delft Handgemalt« erinnert in der Ausführung genau einem Porzellanmarkendetail von Bremer & Schmidt. Daraus ergibt sich die Fragestellung: War es eine Standardisierte Schreibschrifttype oder war es der gleiche Hersteller des Stempels?
Dies trifft insbesondere auf den Schriftzug »Delft« auf Porzellan zu, welcher durch einen Rechtsstreit um die Jahrhundertwende der Rauensteiner Porzellan­manufaktur zugesprochen wurde, und hier wiederum insbesondere in den gestempelten Varianten. Bei Gauß, Renate; Witter, Katharina (1988): Die Porzellanmanufaktur Rauenstein (Seite 52 f.) liest sich dies so: »...Die Beschwerde der Delfter Fayencemanufaktur gegen die Verwendung ihrer Motive konnte unter Hinweis auf den Unterschied von Porzellan und Fayence und auf die freie Abwandlung der holländischen Vorlagen abgewiesen werden. Freilich entbehrt das Argument, dass die Markenunterschrift 'Delft' einer Weinlaune des Gestalterkollektives entsprungen sei, nicht einer gewissen Komik: man habe ihr nämlich den Text unterlegt 'Der Esel läuft fortwährend Trab'...«

Kleiner Exkurs - Das Delfter Teeservice - ein Klassiker

Deutliche Verwechslungsmöglichkeiten gibt es insbesondere mit dem praktisch identischen rauensteiner Delft-Teeservice; in wie weit dies nach 1928 noch hergestellt und gemarktet worden war, ist derzeit unklar, jedoch kaum wahrscheinlich, da bereits 1924 als Zeichen des sich in der Schlussphase befindlichen Niedergangs der Porzellanfabrik in Rauenstein die Produktion auf wenige Tage reduziert wurde und ab 1926 mit der Übernahme durch Kahla die Produktion praktisch eingestellt und schließlich 1931 die Manufaktur vollständig aufgelöst worden war.
Unklar ist auch, ab wann und in welch großem Umfang vergleichbares Geschirr von »August Warnecke« mit dem Delftzijl-Dekor gefertigt und gemarkt wurde.

Die Dekormotive

Delft-Motiv: Segler Delft-Motiv: Mühle und Segler Durch die handgemalten Motive - Schiffe mit Küste oder Windmühlen - und die Rand- bzw. Umrandungs-Bemalung ist jedes Geschirrteil ein »Einzelstück«. Darüber hinaus finden sich über die Jahre unter­schiedliche Dekorationsvarianten in der Bemalung - insbesondere in Bezug auf die Feinheit der Ausführung - wieder.
Der blühende Ginsterzweig wurde von der Porzellanfabrik Kalk vorzugsweise mittig ausgeführt, anders als von der Rauensteiner Porzellanfabrik, wo er meist in seitlicher Neigung gemalt wurde.

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Bekannte Porzellanmarken — keine!

Die Kalker Porzellanmarke findet sich nicht durchgängig auf allen Geschirrteilen bzw. Dekorserien; noch genauer genommen ist in Bezug auf den Delft-Dekor derzeit keine Porzellanmarke bennenbar. Die nachfolgende Markung könnte, muss aber nicht von Kalk gestempelt worden sein. Da das fertige Geschirr vorzugsweise nach Holland exportiert wurde, waren gekreuzte Pfeile nicht unbedingt Pflicht bzw. kollidierte möglicherweise mit dem Markenschutzrecht Hollands oder die Kalker Porzellanfabrik sah für sich die Chance, Nachfolger der Rauensteinschen Porzellanmanufaktur auf dem Gebrauchsgeschirrmarkt zu werden, und verwendete eine nur leicht abgewandelte Marke wie die Nachfolgende (?). Auf Rauensteiner Porzellanen findet sich der Schriftzug »Delft« in vergleichbarer Schreibschrift gestempelt, jedoch ist derzeit unklar, ob dort auch der Zusatz: »Handgemalt« gestempelt wurde.

Gestempelter Schriftzug »Delft Handgemalt«, welcher im Schriftbild vergleichbar ist mit einem Stempel von Bremer und Schmidt - Zuordnung zur Porzellanfabrik Kalk unsicher! Gestempelter Schriftzug »Delft Handgemalt« und handgemaltes N., welcher im Schriftbild vergleichbar ist mit einem Stempel von Bremer und Schmidt - Zuordnung zur Porzellanfabrik Kalk unsicher!

Dekorationsbeispiele

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Zu Delfter Keramiken siehe beispielsweise:
http://de.wikipedia.org/wiki/Delfter_Keramiken
http://community.ebay.de/t5/Einstellen-und-Verkaufen/Porzellan-aus-Delft-Merkw%C3%BCrde-eMail-erhalten/td-p/438396
http://www.delftsaardewerk.nl/artikel/inleiding
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