Hintergrund: Made in ... Germany | GDR (DDR) auf Eisenberger Porzellan

Die Geschichte zu den Markenzeichen und Herkunftsangaben ist sehr komplex und daher soll und kann diese hier nur in einer vereinfachten und der Situation angemessenen Form, der Markierung auf Eisenberger Porzellan, wiedergegeben werden.
Da diesbezüglich immer Länderrecht galt und gilt, muss bei speziellen Fragestellungen hier sehr viel genauer hingesehen werden, um zu verstehen, welcher Schutz ab wann und für was eingeführt wurde und gegenwärtig noch gilt. Derzeit unklar ist in diesem Zusammenhang auch noch, welche Bedeutung die allgemeine Herstellermarke selbst ausübte, wenn sie beispielsweise einen Ortsnamen enthielt, aus einer Buchstabenfolge bzw. entsprechender Buchstabenanordnung bestand oder ein Symbol war.

England

Den Anfang machten die Briten mit dem Handelsmarkengesetz (Merchandise Marks Act) vom 23.08.1887, in dem klar geregelt wurde, dass Importware für den britischen Markt grundsätzlich mit der Bezeichnung des Herkunftslandes zu versehen ist. Dieses Gesetz sah vor, die einheimischen Hersteller vor der qualitativ minderwertigen Ware, insbesondere vom europäischen Festland, und damit auch die Verbraucher zu schützen.

Delft

Hollandmotive auf Porzellan mit der Porzellanmarke »Delft« findet sich durch die Rauensteiner Porzellanmanufaktur Greiner, Fr. Chr. & Söhne untrennbar für die Jahre ab etwa 1880 bis 1929 verbunden. Allerdings war dies um die Jahrhundertwende den niederländischen Geschirrherstellern, in der Stadt Delft ansässig, ein Dorn im Auge, da es den Käufern eine Herkunft aus Delft suggerierte. Eine vor dem ansässigen Gericht vorgebrachte Beschwerde der Delfter Fayencemanufaktur gegen die Verwendung ihrer Motive konnte unter Hinweis auf den Unterschied von Porzellan und Fayence und auf die freie Abwandlung der holländischen Vorlagen abgewiesen werden. Auch der Schriftzug Delft wurde der Rauensteiner Porzellanmanufaktur für Porzellanwaren zugesprochen und wohl bald nach dem Schiedsspruch wurde die Porzellanmarke gestempelt und nicht mehr handgemalt, welches zu einem einheitlicheren Aussehen der Marke führte.

Die Porzellanfabrik Kalk stellte ab etwa 1929 bis ca. 1939 ebenfalls Geschirr mit handgemaltem Delft-Motiven (Windmühlen, Segelboote), beispielsweise auf der Geschirrform 128 und ab ca. 1935 auf der Geschirrform 138, her.

... Germany (Deutschland)

Dass der Merchandise Marks Act zum Eigentor geriet, lag unter anderem an der britischen Eisenverarbeitung und den geringeren verbleibenden Verunreinigungen von Gusseisen und Stahl, welches dadurch deutlich rascher korrodierte, während die vergleichbaren Produkte aus den Deutschen Landen ein Leben lang hielten. So verkehrte sich das erdachte Kennzeichnungsstigma »Made in Germany« zum Qualitätssiegel.
Ab 1943 wurde im Deutschen Reich für die Hersteller die Reichsbetriebsnummer anstelle der Herstellerangabe eingeführt, um insbesondere Zulieferer der Kriegsmaschinerie vor gezielten Angriffen zu schützen und für das automatisierte Berichtswesen zu standardisieren. Nach dem II. Weltkrieg erfolgte 1949 die endgültige Teilungsentscheidung des einstigen Deutschen Reiches und fortan gab es zwei Länder, welche als Herkunftsland »Germany« angaben.

Der Nachweis für R.B.Nrn. der Eisenberger Porzellanfabriken ist bislang nicht gelungen.

... GDR und West-Germany

In der Entscheidung des Bundesgerichtshofes vom 23.03.1973 wog die Tatsache des geteilten Deutschland gemäß der im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland dargelegten Idee eines wiederzuvereinigenden Deutschlands höher als die Streitsache einer politisch genauen Länderangabe und eine Anerkennung des DDR-Staates durch das Deutsche Bundesgericht kam auch auf diesem Weg nicht in Frage. Und so wurde die vermeintliche Uneindeutigkeit eines »Made in Germany« hingenommen und wirkte sich fortan auf die Herkunftsangabe westdeutscher Hersteller aus. Spätestens seit diesem Urteil änderten die Hersteller in der Bundesrepublik Deutschland ihre Herkunftsangabe auf »Made in West Germany« bzw. »Made in Western Germany« um sich eindeutig von den Herstellern in der Deutschen Demokratischen Republik (German Democratic Republik) abzugrenzen, welche wiederum meist »Made in GDR« kennzeichneten.
Siehe ggf. auch: Wikipedia: Made in Germany - Rechtliche Sicht Bitte beachten: Keine Haftung für Inhalte fremder Internetseiten

Eisenberger Porzellane

Markenstempel von Bremer & Schmidt (um 1972): Made in Germany - DDRDie Herkunftsangabe »Made in Germany« oder einfach nur »Germany« für ostdeutsche Waren war nach 1949 ein reiner Schachzug der damaligen DDR-Politik. Unklar ist welche oder ob überhaupt davor eine Länderkennzeichnung auf Porzellanware für Exportware aufgebracht worden war, da Belegstücke hierzu fehlen. Spätestens ab 1973 wurde das Herstellerland mit »Made in GDR« bzw. in russischer Sprache und kyrillischer Schrift »Фарфор из ГДР« (übersetzt: Porzellan aus der DDR) angegeben, da die Unterscheidung zu West-Germany ohnehin auffiel. Dies lässt sich anhand der gemarkten Geschirrformen sehr gut verifizieren.
Anmerkung: Für das Inland hergestellte Porzellan erhielt keine Länderkennzeichnung, wodurch ein Export theoretisch ausge­schlossen wurde. Dagegen wurde GDR-markiertes Porzellan durchaus auch innerhalb der DDR gehandelt, z.B. im Umfeld der militärisch-russischen Einrichtungen oder auch Porzellan, dass von der Qualitätsendkontrolle als exportungeeignet aussortiert worden war.

Entsprechend finden sich insbesondere von den Porzellanfabriken »Bremer & Schmidt« sowie »Kalk« verschiedene Geschirre mit der Herkunftsangabe »Made in Germany« oder einfach nur »Germany«, deren Herstellung nachweislich erst nach Mitte 1949 erfolgt war.
Die Porzellanfabrik Jäger hingegen kennzeichnete sein Porzellan seit den 1920er Jahren überwiegend unter der Glasur mit »Jäger« (in unterschiedlicher Schreibweise). Der Markenzusatz der Porzellanfabrik Jäger in den 1930er Jahren, »Cambridge Ivory«, entspricht wahrscheinlich mehr einer Produktlinie von Elfenbeinporzellan, denn einer exportziellandbezogenen Angabe. Ab ca. 1941 wurde die Jäger-Marke mit der Herkunftsangabe »Eisenberg/Th.« und später mit »Eisenberg DDR« erweitert und erst ab der vollen Verstaatlichung aller Eisenberger Porzellanfabriken ab 1973 (VEB Porzellankombinat Kahla, Betriebsteil Eisenberg) mit »German Democratic Republic« bzw. »GDR«.


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