Porzellanfabrik Kalk in Eisenberg/Thüringen • Unterglasurdekor • »Japanblau«, später »Kobalt-Blau«

Obwol es keine sicheren Zeitangaben für Produktionsbeginn und -dauer gibt, wird ein hohes Alter immer mal wieder favorisiert. Derzeit ist davon auszugehen, dass dieser Dekor seinerzeit den Dekor »Japan« abgelöst hat. Hierzu muss jedoch unten stehendes Berücksichtigung finden, um das Zeitfenster der Herstellung, welches derzeit nur ungenügend mittels Firmenunterlagen belegbar ist, dennoch im Groben eingrenzen zu können. Nach derzeitigem Kenntnisstand liegt das wahrscheinlichste Produktionszeitfenster in den Jahren von frühestens 1959 bis spätestens 1972 (bzw. 1976).

Dekordetails

Das Spiegelmotiv findet sich auf allen Flachgeschirrteilen, außer auf Untertassen, sowie auf allen deckellosen Schalen auf deren Böden. Das Randmotiv dagegen findet sich auf allen Porzellanteilen einschließlich der Deckel. Das Randmotiv wurde immer wieder an die Geschirrform angepasst.
Mit Änderung der Geschirrform auf Stella (zu erkennen am festonierten Rand von Tellern) wurde
• der Fahnendekor spiegelverkehrt gestempelt,
• der Fahnendekor von sechs wiederholenden Zierelementen auf fünf reduziert.

Der Rand wurde auf der Glasur in Gold oder Kobaltblau, aber auch ohne weitere Verzierung, ausgeführt.

Altersbestimmung

Eine Bestimmung des Alters ist derzeit nur anhand von Indizien möglich. Die entsprechenden Firmenunterlagen wurden nach der Aufgabe des Standortes Eisenberg (durch den VEB Porzellankombinat Kahla) vernichtet. Einzig entsprechende Werbeunterlagen stehen für eine genaue Zeitstellung in kleinem Umfang zur Verfügung. Nachfolgend die vorhandenen Argumente und zur Verfügung stehenden Indizien.

① Markenzeichen

Auf den Geschirrteilen finden sich ausschließlich die spitzwinkelig stehenden, nach unten zeigenden, gekreuzten und unterglasur gestempelten Pfeile mit dem Namenszusatz »Japanblau«, später »Kobalt-Blau« bzw. seltener auch mal »Made in GDR«, wobei diese Markungsart, gemeint sind die spitzwinkelig gekreuzten Peile, erst ab 1956 für Unterglasurdekore (z.B. Indigo-Dekor) sicher belegt ist.
spitzwinkelig gekreuzte Pfeile, darunter Japanblau spitzwinkelig gekreuzte Pfeile, darunter Kobalt-Blau spitzwinkelig gekreuzte Pfeile, darunter Kobalt-Blau spitzwinkelig gekreuzte Pfeile, darunter Made in GDR
Sowie mit diversen Zusatz aufglasur:
spitzwinkelig gekreuzte Pfeile, darunter Kobalt-Blau und in Gold Germany auf Geschirr mit Goldrand spitzwinkelig gekreuzte Pfeile, darunter Kobalt-Blau und auf der Glasur hergestellt in der DDR in kyrillisch spitzwinkelig gekreuzte Pfeile, darunter Kobalt-Blau und in Gold Germany auf Geschirr mit Goldrand
Der in Gold gestempelte Markenzusatz »Germany« findet sich nur auf Goldrandgeschirr.

② Geschirrformen

Die Geschirrform, welche anfänglich mit »Japanblau« dekoriert worden war, war Festongeschirr mit »C-förmigen« Ohrenhenkel, welches erst ab ca. 1955/56 bis Mitte der 1960er Jahre hergestellt wurde. Bereits 1960 wurde der Name des Dekors auf »Kobalt-Blau« in breiter Schreibweise geändert. Nach der Umstellung, ca. 1962/63, auf die Geschirrform »Stella« wurde der Markenstempel auf die schmale Schreibweise für »Kobalt-Blau« geändert und schließlich bis (mindestens) 1972 (bzw. 1976) produziert.
Darüberhinaus findet sich der Kobalt-Blau-Dekor auch auf Tassen der Form 420 und 508 (siehe unten).

③ Werbung

Es existiert in dem Nachtrag zum Leipziger Messekatalog (Gebrauchswarenkatalog Keramik, Nachtrag Herbstmesse 1959) ein Eintrag auf der Katalogseite 2 von Festongeschirr (mit C-förmigen Henkeln) mit dem Japanblau-Dekor (und mit Goldrand). Bereits ein Jahr später, 1960, wurde in einem Werbeblatt mit dem Titel Kaffee- u. Tafelgeschirre für Inland u. Export — Spezialität: Blau-Unterglasur-Malerei — Form Feston — Dekor Kobaltblau das gesamte Porduktionssortiment beworben.

Fazit

Das wahrscheinlichste Produktionszeitfenster liegt in den Jahren von ab/nach 1959 bis ca. 1972 (bzw. 1976). Dabei ist zwingend zu unterscheiden, welche Geschirrform - Feston oder Stella - gemeint ist.
Eine anderslautende Zeitstellung ist wahrscheinlich verkehrt und dient beispielsweise eher einer mutwilligen Atraktivitätssteigerung zum Zwecke des Verkaufes bzw. unterliegt eines unbeabsichtigten Irrtums anhand von familiären Geschichtsdaten in Verbindung mit diesem Geschirr.

Ausnahmen

Ausnamen bestätigen die Regel, heißt es. Und tatsächlich gibt es sie.
Eine Feston-Souciere, Größe 2, mit Indigo-Porzellanmarkenstempel, auf deren Telleruntersatz auch das Indigo-Dekor gestempelt wurde, jedoch befindet sich auf der Soucierengefäßaußenwand der gestempelte Kobalt-Blau-Dekor. Der Hintergrund dieses »Mischlings« ist nicht bekannt.

Dekorationsbeispiele

© 2010