Form 1000 • Made in GDR

Vorläuferform ???
Vorläufer der Form 1000 ?
Tasse von Bremer & Schmidt

Eine Form für etwa 30 Jahre

Das aus Porzellan bestehende Mokkaservice der Form »Form 1000« stellt stilistisch eine gedankliche Fortsetzung der ArtDeco-Zeit dar, die in den Jahren des II. Weltkrieges praktisch vollständig sein Ende gefunden hatte. Das Mokkaservice wurde um 1956 am Markt eingeführt und sicher ab 1957 beworben. Die Form kennzeichnet sich durch eine eiförmige Grundform und einer schrägen Linien-/Kantenführung sowie dreieckig geformten Henkeln aus, wodurch sich ein sehr ausge­wogenes und optisch reizvolles Verhältnis ergibt. Es ist zugleich auch die letzte am Markt eingeführte Mokkaserviceform mit maximalen Erfolg und wurde millionenfach verkauft.
Ein Mokkaservice für sechs Personen besteht aus einer Mokkakanne (mit Deckel), einem Milchkännchen, einer Zucker­dose (mit Deckel) sowie 6 Mokkatassen mit Untertassen; es ist also 9-teilig (und besteht aus 17 Einzelteilen).

Sicher belegt ist die Herstellung der Geschirrteile nur für »Porzellanfabrik Bremer & Schmidt« und dem Rechtsnachfolgebetrieb »Spezialporzellan Eisenberg (SPE) / Vereinigten Porzellan­werken Kahla« mit Standort Eisenberg. Unklar ist demnach noch, ob auch andere Porzellanfabriken Geschirrteile herstellten oder ob alle anderen Porzellanfabriken und -malereien ab ca. 1958 die Serviceteile als Weißware einkauften und in der firmeneigenen Porzellanmalerei aufwertend dekorierten und weiter verkauften. Weiter ist zu beachten, dass den Untertassen alleinstellende Merkmale fehlen und daher immer mal wieder auch Mokka­untertassen einer beliebigen Formserie, Hauptsache leicht schalenförmig, nach passender Dekoration dazugegeben wurden. Dies erklärt die in Größe, Form und Unterseite teils deutlich unterscheidbaren Untertassen und die dabei immer mal wieder wahrnehmbare unter der Glasur gestempelte »fremde« Porzellanmarke, über die teilweise der verkehrte Gedankenschluss weiterer Hersteller erklärt werden könnte.

Die »Form 1000« war viele Jahre so erfolgreich und aufgrund der markanten Formgebung sehr beliebt, dass verschiedenste (meist thüringer) Porzellanhersteller der DDR diese zur Herstellung von Mokkaservices mit oft farbenfrohen Dekor verwendeten. Insbesondere in den »Ostmarkt«, also in die Staaten der einstigen Sowjetunion und die Türkei wurde exportiert. Dabei wurde der Länderherstellungscode »Made in GDR« teils auch in russisch und somit in kyrillischer Schrift, »Фарфор из ГДР« (Übersetzt: Porzellan aus GDR), gemarkt. Weiter wurden auch (teils mit lüsterfond) Andenken­tässchen (und mehr) mit Städteansicht oder Städtewappen verziert.

Die hier gezeigten Porzellanmarken beziehen sich auf Geschirrteile der »Form 1000« und damit nicht zwingend auf alle von einer Firma ver­wendeten Marken. Alle bislang gesichteten Porzellanmarken wurden 1955 noch verwendet oder erst danach eingeführt und wurden stets auf der Glasur aufgebracht.

Auf den nachfolgenden Seiten finden sich die Porzellanhersteller/-malereien sowie eine »kleine« Auswahl der Dekorvielfalt aus der Zeit ab 1955 bis ca. Mitte der 1980er Jahre wieder.

Die Orte, Herstellerfirmen und Porzellanmarken

Ort Porzellanfabrik/-malerei Dekorationsjahre Markenbild Porzellanmarke Seiten
Deesbach: Carl Wilhelm & Co., Deesbach, Kreis Rudolstadt (CW&Co. Deesbach) 1958-1972(?) Beispielhafte Marke von CW&Co Deesbach CW&Co
Deesbach
18
Eisenberg: Bremer & Schmidt (BSE) 1955-1972 Beispielhafte Marke von Bremer & Schmidt Eisenberg BSE 30
  Spezialporzellan Eisenberg (SPE) 1972-1989(?) Beispielhafte Marke von Spezialporzellan Eisenberg SPE 4
Grossbreitenbach: Franz Fritz Nachfolger, Großbreitenbach (FFN) 1958-1971(?) Beispielhafte Marke von FFN Grossbreitenbach FFN
Grossbreitenbach
12
Halle (Saale): Erika Lutz, Halle/S. (L) ....-197.(?) Beispielhafte Marke von Erika Lutz Halle/S. L
Erika Lutz Halle/S.
1
Kahla/Leuchtenburg: August Frank, Porzellanmalerei (A.F. Kahla) 1958-1965 Beispielhafte Marke von August Frank, Porzellanmalerei, Kahla A.F.
Kahla
3
  Bauer und Lehmann, Leuchtenburg (B/L) 1955-1965 Beispielhafte Marke von Bauer und Lehmann, Leuchtenburg B/L
Leuchtenburg
5
  Kahlaer Porzellanmanufaktur
August Frank & Bauer u. Lehmann (AF/B&L)
1965-1972 Beispielhafte Marke von AF/B&L Kahla Kahla
AF/B&L
14
  VEB Porzellanmalerei Kahla (PMK) 1972-1974 Beispielhafte Marke von VEB Porzellanmalerei Kahla (PMK) Kahla
PMK
2
Lichte: VEB Porzellanwerk Lichte 1958-1972(?) Beispielhafte Marke von VEB Porzellanwerk Lichte Lichte
Fine China
6
  Lichte, Malerei: Deesbach 1972-1976 Beispielhafte Marke von Lichte, Malerei Deesbach Lichte
Malerei: Deesbach
5
Reichenbach: EJ, Reichenbach (EJR) 1958-19..(?) Beispielhafte Marke von EJR EJR 3
  Hädrich und Hädrich, Reichenbach (HHR) 1958-19..(?) Beispielhafte Marke von Hädrich und Hädrich HH
R
1
  Otto Hüdrichs Witwe, Reichenbach seit 1886 (OHW 1886) 1958-19..(?) Beispielhafte Marke von Otto Hädrichs Witwe, Reichenbach seit 1886 OHW 1886 2
  Otto Hädrichs Witwe, Reichenbach (R OHW) 1958-19..(?) Beispielhafte Marke von Otto Hädrichs Witwe, Reichenbach R
OHW
10
  Hädrich und Sohn, Reichenbach (HSR) 1958-19..(?) Beispielhafte Marke von Hädrich und Sohn, Reichenbach • SHR SHR 5
Schmiedefeld: evtl. H. Pröschold, Porzellanmanufaktur (HP) 1958-19..(?) Beispielhafte Marke von HP Schmiedefeld (HP) HP
Schmiedefeld
1
Stadtlengsfeld, Rhön: Porzellanmalerei Willi Riese 196x-196x(?) Beispielhafte Marke von Willi Riese Das Edelweiß
der Rhön

Rhöndistel
1
[Ort ungeklärt] Firma unbekannt (AR) ....-19..(?) Beispielhafte Marke von AR AR 1
  AVM HANSA (AVM) ....-19..(?) Beispielhafte Marke von AVM HANSA AVM HANSA 3
  Ecklund ....-19..(?) Beispielhafte Marke von Ecklund Ecklund 1
[ungemarkt] [Andenkentassen/-service]   [Mokkaservice]   ohne Marke 14+6

Die obige Aufstellung der Porzellanfabriken und -malereien ist wahrscheinlich noch nicht vollständig und wird erweitert, sofern entsprechende Informationen hierzu vorliegen.
Die derzeit findbaren Untertassen mit dem (meist) unter der Glasur gestempelten Firmenstempeln von Kahla, Kaestner-Saxonia/ Oberhohendorf, Lettin und Volkstedt sowie Weimler-Porzellan (Weimar) werden auf Grund fehlender sonstiger Markungen an weiteren Geschirrteilen in der obigen Firmenaufstellung bewusst nicht gelistet. Derzeit ist als Grund für diese Porzellanmarken auf Untertassen der kostengünstigere Zukauf der Porzellandekorateure zu sehen.

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